Aminosäuren

L-Citrullin: Was die Aminosäure ist — und worauf es bei der Form ankommt

19. August 2026 9 min Lesezeit
Medizinisch geprüft von Christian Lazar
Mann Anfang vierzig schneidet an einem hellen Sommertag im Garten eine reife Wassermelone in Spalten

Mann Anfang vierzig schneidet an einem hellen Sommertag im Garten eine reife Wassermelone in Spalten

Medizinisch geprüft Quellenangaben am Ende Aktualisiert August 2026
Das Wichtigste auf einen Blick
  • L-Citrullin ist nach der Wassermelone benannt (Citrullus lanatus), aus der es 1914 erstmals isoliert wurde.
  • Der Körper baut es überwiegend in der Niere zu L-Arginin um — und umgeht dabei den Abbau, dem orales Arginin in Darm und Leber unterliegt.
  • Base ist reines Citrullin; beim Malat sind nur etwa 55 bis 60 Prozent des Gewichts Citrullin. Beim Produktvergleich mitlesen.
  • Für L-Citrullin selbst ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Zulässige Aussagen betreffen Zink, Selen und Kreatin.

In der Zutatenliste guter Männerformeln steht sie fast immer weit oben, und trotzdem können die wenigsten etwas mit ihr anfangen: L-Citrullin. Der Name klingt nach Labor, kommt aber aus dem Garten — und die Aminosäure ist einer der Bausteine, bei denen die chemische Form über die Verwertung entscheidet.

Dieser Text erklärt, was L-Citrullin ist, welche Aufgabe es im Körper hat, warum es in Formeln oft neben L-Arginin steht und woran man die beiden handelsüblichen Formen unterscheidet — die Unterscheidung, an der sich Produkte tatsächlich vergleichen lassen.

Der Name kommt von der Wassermelone

1914 isolierten die japanischen Forscher Koga und Odake eine bis dahin unbekannte Aminosäure — aus dem Saft der Wassermelone. Deren botanischer Name lautet Citrullus lanatus, und danach wurde der Stoff benannt: Citrullin.

Das ist mehr als eine Anekdote. Die Wassermelone ist bis heute die bekannteste natürliche Quelle. Der Gehalt schwankt allerdings erheblich — je nach Sorte, Reifegrad und vor allem nach dem Teil der Frucht:

Teil der Frucht Ungefährer Citrullin-Gehalt
Rotes Fruchtfleisch etwa 0,7 bis 3,5 g je Kilogramm
Weiße Schicht direkt unter der Schale deutlich mehr als das Fruchtfleisch
Gelbfleischige Sorten meist höher als rotfleischige

Rechnet man das um, wird der Unterschied zwischen Lebensmittel und Nahrungsergänzung greifbar: Für die 2 Gramm, die in einer Tagesdosis einer typischen Formel stecken, müsste man je nach Sorte grob ein halbes bis knapp drei Kilogramm Fruchtfleisch essen — und das jeden Tag. Möglich im August, schwierig im Februar.

Zwei kleinere Quellen gibt es außerdem: Kürbisgewächse allgemein enthalten Citrullin in geringeren Mengen, und der Körper selbst bildet es — hauptsächlich in der Leber und im Darm.

Aufgeschnittene Wassermelone in Spalten auf heller Holzplatte neben einem Glas Wasser
Aus der Wassermelone (Citrullus lanatus) wurde die Aminosäure 1914 erstmals isoliert — daher der Name.

Was L-Citrullin im Körper tut

L-Citrullin gehört zu den nicht-proteinogenen Aminosäuren. Das heißt: Anders als etwa Leucin oder Lysin wird es nicht in Proteine eingebaut. Es ist kein Baustein, sondern ein Zwischenschritt.

Sein angestammter Platz ist der Harnstoffzyklus — jener Stoffwechselweg, über den der Körper Ammoniak entsorgt, das beim Abbau von Eiweiß entsteht. Ammoniak ist in höheren Mengen zellschädigend, deshalb wird es in mehreren Schritten zu Harnstoff umgebaut und über die Nieren ausgeschieden. L-Citrullin ist eine der Stationen auf diesem Weg.

Aus demselben Zyklus stammt der zweite Punkt, der L-Citrullin für Formeln interessant macht: Der Körper kann daraus L-Arginin bilden. Das geschieht überwiegend in der Niere, in zwei enzymatischen Schritten. L-Arginin wiederum ist die Ausgangssubstanz, aus der der Körper Stickstoffmonoxid herstellt — ein Signalmolekül, das in vielen Geweben eine Rolle spielt.

Stickstoffmonoxid war lange ein blinder Fleck der Physiologie — erst 1998 ging der Nobelpreis für Medizin an die Forscher, die seine Rolle als Signalmolekül aufklärten.

Warum Citrullin und nicht gleich Arginin?

Die Frage liegt nahe: Wenn es dem Körper um Arginin geht — warum nimmt man dann nicht einfach Arginin?

Der Grund liegt im Verdauungsweg. Oral aufgenommenes L-Arginin durchläuft zuerst die Darmwand und dann die Leber, und in beiden wird ein erheblicher Teil vom Enzym Arginase abgebaut, bevor es überhaupt im Blutkreislauf ankommt. Fachleute nennen das den First-Pass-Effekt.

L-Citrullin umgeht diesen Abbau weitgehend: Es wird von der Arginase nicht angegriffen, passiert Darm und Leber und wird erst in der Niere zu Arginin umgebaut. In Untersuchungen zur Blutspiegelmessung führt eine gegebene Menge L-Citrullin deshalb zu einem höheren und länger anhaltenden Arginin-Spiegel als dieselbe Menge Arginin selbst.

Genau das ist der Grund, warum in durchdachten Formeln beide nebeneinander stehen: Arginin für den schnellen, Citrullin für den nachhaltigen Weg. Wer nur den Namen einer Zutat liest, sieht das nicht — wer die Rolle kennt, schon.

Die zwei Formen: Base und Malat

Im Handel gibt es L-Citrullin in zwei Varianten, und die Etiketten machen den Unterschied nicht immer deutlich.

Form Was drinsteckt Wo sie üblich ist
L-Citrullin Base reines L-Citrullin, ohne Trägersäure — 1.000 mg Base sind 1.000 mg Citrullin Kapselformeln, wenn es allein auf die Aminosäure ankommt
L-Citrullin-Malat L-Citrullin gebunden an Apfelsäure (Malat). Je nach Verhältnis (meist 2:1) sind etwa 55 bis 60 Prozent des Gewichts Citrullin, der Rest ist Malat Sportpulver — Malat ist zugleich ein Zwischenprodukt des Citratzyklus
  • Die Rechenfalle: „6.000 mg L-Citrullin-Malat“ sind nicht 6.000 mg Citrullin, sondern eher 3.300 bis 3.600 mg. Wer zwei Produkte vergleicht, muss die Form mitlesen — sonst vergleicht er Äpfel mit Birnen, im Wortsinn.
  • Seriöse Etiketten weisen beides aus: die Menge der Verbindung und den reinen Citrullin-Anteil. Steht nur die Verbindungsmenge da, lässt sich das Produkt nicht einordnen.
  • Beide Formen sind gleichwertig, was das Citrullin selbst angeht. Die Wahl richtet sich nach der Anwendung, nicht nach der Qualität.
Zwei helle Keramikschalen mit feinem weißem Pulver und ein Holzlöffel auf heller Leinendecke
Base oder Malat: Die Form entscheidet, wie viel reines Citrullin pro Gramm tatsächlich ankommt.

Welche Mengen in der Forschung verwendet werden

Untersuchungen zu L-Citrullin arbeiten überwiegend in einem Bereich von 3 bis 6 Gramm täglich bei der Base und entsprechend höheren Mengen beim Malat, weil dort nur ein Teil des Gewichts Citrullin ist. In Formeln, die die Aminosäure mit Arginin kombinieren, liegen die Einzelmengen oft niedriger, weil beide Wege zusammen genutzt werden.

Für die Praxis zählt eine andere Zahl: die Verzehrempfehlung auf der Packung. Sie ist auf die jeweilige Rezeptur abgestimmt und sollte nicht überschritten werden.

Was sonst in einer Männerformel steht

L-Citrullin steht selten allein. Was daneben liegt, sagt oft mehr über die Rezeptur als die Hauptzutat — vor allem, weil einige dieser Stoffe eine belastbare Rolle im Körper haben:

  • Zink trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei, zu einer normalen Fruchtbarkeit und Reproduktion sowie dazu, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
  • Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei und ebenfalls zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.
  • Kreatin erhöht die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining im Rahmen kurzzeitiger intensiver Betätigung — ab einer täglichen Aufnahme von 3 Gramm.
  • Pinienrindenextrakt stammt von der französischen Seekiefer und ist reich an oligomeren Proanthocyanidinen, einer Gruppe von Polyphenolen. Er wird auf diesen Gehalt standardisiert.

Zink und Selen sind dabei die beiden, bei denen sich der Beitrag benennen lässt. Wer eine Formel vergleicht, sollte deshalb schauen, ob sie in sinnvoller Menge enthalten sind — und nicht nur als Spur auf dem Etikett.

Wie man eine Formel liest

Fünf Punkte, die sich am Etikett prüfen lassen — bei jedem Anbieter:

  • Form und reiner Gehalt. Base oder Malat, und wie viel Citrullin steckt tatsächlich drin?
  • Tagesdosis statt Kapselmenge. 500 mg je Kapsel sagen nichts, solange man nicht weiß, wie viele Kapseln die Tagesportion hat.
  • Steht Arginin daneben? Die Kombination hat einen biochemischen Grund, wie oben beschrieben — sie ist kein Marketingzusatz.
  • Was ergänzt die Formel? Zink und Selen sind die beiden, bei denen sich ein Beitrag zum Körper benennen lässt — in sinnvoller Menge, nicht als Spur.
  • Trennmittel und Füllstoffe. Eine kurze Zutatenliste ist ein gutes Zeichen; Kapselhüllen aus pflanzlicher Cellulose sind Standard.
Mann und Frau um die vierzig machen lachend eine Trinkpause neben ihren Fahrrädern an einem sonnigen Feldweg
Fünf Punkte lassen sich am Etikett prüfen — der Rest entscheidet sich im Alltag.

Wo L-Citrullin bei uns enthalten ist

Produkt Form und Menge Was noch drin ist
Männer Kapseln L-Citrullin Base, 500 mg je Kapsel — bei der Tagesdosis von 4 Kapseln sind das 2.000 mg 1.600 mg L-Arginin Base, 200 mg Pinienrindenextrakt, dazu Zink und Selen
Pre Workout+ Pulver L-Citrullin-Malat, 5 g je Portion 4 g Kreatin-Monohydrat, 4 g L-Glutamin, 1,5 g Taurin, 0,5 g Acetyl-L-Carnitin — ohne Koffein

Die beiden Produkte verfolgen unterschiedliche Ansätze: Die Männer Kapseln setzen auf die Kombination beider Aminosäuren in der Base-Form, das Pre Workout+ auf die Malat-Verbindung im Sportkontext. Beide sind laborgeprüft und stammen aus der Manufaktur in Memmingen. Weitere Aminosäuren und Mikronährstoffe finden sich in unseren Kategorien Vitamine und Mineralstoffe.

Sicherheit und wer vorsichtig sein sollte

  • L-Citrullin gilt in den üblichen Mengen als gut verträglich. Gelegentlich berichtete Beschwerden betreffen den Magen-Darm-Trakt und treten eher bei hohen Einzelmengen auf.
  • Wer blutdrucksenkende Medikamente oder Präparate aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer einnimmt, sollte vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen — beide greifen in denselben Regelkreis ein.
  • Bei Nierenerkrankungen gehört jede Ergänzung mit Aminosäuren in ärztliche Hand, weil die Niere an ihrem Umbau beteiligt ist.
  • Schwangere und Stillende sowie Menschen unter Dauermedikation halten vor der Einnahme Rücksprache.

Kurz zusammengefasst

  • L-Citrullin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, benannt nach der Wassermelone (Citrullus lanatus), aus der sie 1914 erstmals isoliert wurde.
  • Sie gehört in den Harnstoffzyklus und kann im Körper — überwiegend in der Niere — zu L-Arginin umgebaut werden.
  • Anders als Arginin entgeht sie beim Verdauungsweg weitgehend dem Abbau durch das Enzym Arginase; deshalb stehen in Formeln oft beide nebeneinander.
  • Base und Malat unterscheiden sich im reinen Gehalt: Bei Malat sind nur etwa 55 bis 60 Prozent des Gewichts Citrullin.
  • In Männerformeln steht sie meist neben Zink und Selen — die beiden Spurenelemente, bei denen sich der Beitrag zum Körper benennen lässt.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung und keine gesunde Lebensweise. Die angegebene Verzehrmenge nicht überschreiten.

Quellenangaben & Studien
Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (HCVO) und Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Für L-Citrullin und L-Arginin ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.
EU-Register der Health Claims, Stand 2026: zugelassene Angaben für Zink (normaler Testosteronspiegel im Blut, normale Fruchtbarkeit und Reproduktion, Schutz der Zellen vor oxidativem Stress), Selen (normale Spermabildung, Zellschutz) und Kreatin (körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining ab 3 g täglich).
Koga, Y. und Odake, S. (1914): Erstbeschreibung von Citrullin aus Citrullus vulgaris.
Produktspezifikationen Vitalplant: Männer Kapseln und Pre Workout+ Pulver, Stand August 2026.
Robert Lazar
Über den Autor

Robert Lazar

Gründer & Geschäftsführer · 10+ Jahre Produktentwicklung

Robert Lazar beschäftigt sich seit über zehn Jahren intensiv mit Mikronährstoffen, pflanzenbasierten Wirkstoffen und ganzheitlicher Gesundheitsoptimierung. Er verbindet ernährungswissenschaftliches Wissen mit der täglichen Arbeit in der eigenen Manufaktur in Memmingen.

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Christian Lazar
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Christian Lazar
Approbierter Apotheker · Gründer & Geschäftsführer

„Dieser Artikel wurde vor Veröffentlichung auf wissenschaftliche Korrektheit und pharmazeutische Genauigkeit geprüft."— Geprüft am 18. August 2026

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